Notationen

Hier stehen Texte über Musik, Kunst und gesellschaftliche Prozesse – ebenso Beobachtungen aus dem Alltag eines tourenden Musikers. Diese "Notationen" gehen aus konkreter Praxis, theoretischen Überlegungen und vier Jahrzehnten internationaler Konzert- und Reisetätigkeit hervor.
Der Preis der Pizzakunst

Ein Berliner Jazzschlagzeuger lernt in einer Bahnhofspizzeria in Bari nicht nur die Geheimnisse traditioneller Pizzakunst kennen, sondern auch die ideologische Geisterbahn Europas.

Zwischen Mozzarella, Marschmusik und einer angeblich „originalen“ Luftwaffen-Uhr prallen historische Traumata, süditalienische Lässigkeit und deutsche Empfindlichkeit frontal aufeinander.

Ein Kapitel über Symbole, Stolz und Projektionen – und darüber, wie schnell man als Deutscher in Apulien vom Pizzaschüler zum unfreiwilligen Zeitzeugen wird.

Ein Auszug aus dem Buch „In Bocca al Lupo – wie aus einem Berliner Jazzschlagzeuger ein apulischer Pizzabäcker wurde“.

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Der Augenblick perfekten Lichts

Zwischen buddhistischem Kloster, Hochhausbüro und nächtlichem Love-Hotel gerät ein Künstler in eine Entscheidungssituation, die alles verändern könnte.

Südkorea wird zum Resonanzraum für Fragen nach Karriere, Integrität und dem Preis der Vernunft. Eine Geschichte über Verlockung, Verzicht – und den vermeintlich "richtigen" Moment, in dem das Licht vollkommen erscheint.

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Fahnenmasten 


Zwischen Schrebergartenkolonien, sächsischen Umgebindehöfen und einem Marktplatz mit sensiblen Burgfrieden beobachtet der Text, wie Symbole zu Grenzpfählen werden – mal als Machtdemonstration, mal als Dissidenz, mal als ideologische Wetterstation.

Ein Essay über vertikale Ansprüche, symbolisches Klima und die Frage, ob Koexistenz manchmal banaler – und zugleich radikaler – ist als jede Frontstellung.

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Abenteuer Menschwerdung

Erste Woche Kita-Eingewöhnung auf dem Dorf: Während der kleine Mann zwischen Traktoren, Puppen und Schlammhosen seine neue Welt erkundet, wird der „nicht-stillende Elternteil“ kurzerhand zum universellen Klettergerüst und Gruppen-Papa. Zwischen Kneipp-Konzept, Dorfpädagogik und einer Köchin mit ausgeprägtem Schnürsenkel-Fetisch wird aus der morgendlichen Bringroutine eine überraschend philosophische Rückkehr an einen Ort, den man seit fünfzig Jahren nicht mehr betreten hat: den Kindergarten.

Ein kurzer Text über frühe Sozialisation, dörfliche Gelassenheit – und das seltsame Privileg, das Abenteuer Menschwerdung noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive miterleben zu dürfen.

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Zwischen den Türmen

Ein Vater beobachtet sein Kind beim Bauen und Einstürzen von Türmen – und gerät dabei in eine innere Bewegung durch Jahrzehnte des Unterwegsseins. Zwischen globalen Schauplätzen und stillen Momenten auf einem Bauernhof entfaltet sich eine Reflexion über Herkunft, Unruhe und das paradoxe Gefühl, im Weitergehen zuhause zu sein. Ein Text über Bewegung als Schicksal – und über die Möglichkeit, erstmals zu bleiben.

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Swingin’ Against All Odds -

Epilogue for My Friend Mircea Tiberian (1955–2025)

A long-standing artistic partnership becomes a prism for memory, humor, and melancholy. Between stages, train compartments, and the in-between spaces of Eastern Europe, a portrait emerges of a friendship shaped by friction, loyalty, and its own code of survival. A farewell text about music, dignity, and what remains when a voice falls silent.

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Die Freiheit des zeitnah zurechtgelegten Bademantels

Ausgehend von einem kulturpolitischen Symposium entfaltet sich eine unbequeme Intervention zur Lage der Kunstfreiheit. Der Text stellt gängige Selbstverständlichkeiten infrage und richtet den Blick auf Mechanismen innerhalb des Kulturbetriebs selbst. Persönlich, polemisch und analytisch zugleich verhandelt er die Frage, wann Kunst ihre Freiheit verliert – und wem sie sich verpflichtet fühlen darf.

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Rammstein mit Caffè Leccese

In einem kleinen Fischerort bei Mola di Bari wird ein unscheinbares Strandcafé zum Resonanzraum für Erinnerung und Gegenwart. Zwischen reparierter Terrasse, streunenden Katzen und Blick auf die Brandung mischen sich melancholische 80er-Sounds mit unerwartetem Rammstein.

Eine beiläufige Frage nach der Musikauswahl öffnet einen größeren Horizont: Migration, Projektionen, kulturelle Missverständnisse – und die sehr eigenen Gründe, warum man irgendwo bleibt oder zurückkehrt.

Ein Miniatur-Text über Klang, Identität und die leise Ironie, vertraute Fremdheit am Rand des Meeres wiederzufinden.

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Besuch der klugen Dame

Ein Besuch aus der Großstadt wird zur Begegnung zweier Weltwahrnehmungen. Was als Gespräch über Musik beginnt, entwickelt sich rasch zu einer stillen Konfrontation über Provinz, Moral und Deutungshoheit.

Zwischen Rotwein, Tiramisu und kulturpolitischen Gewissheiten prallen Selbstbilder aufeinander – ohne dass jemand wirklich laut wird.

Ein Text über Blasen, Zugehörigkeit und die feine Linie zwischen Überzeugung und Überheblichkeit.

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Sorry, I don’t want to speak German!

Zwischen einer legendären Kreuzberger House-Party der frühen 2000er und einer bunten „Social-Club-Performance“ im Berlin der Gegenwart spannt sich ein persönlicher Erfahrungsbogen über Sprache, Zugehörigkeit und kulturelle Verschiebungen.

Was einst als multikulturelles Ideal erschien, wird zwei Jahrzehnte später zur irritierenden Frage nach Authentizität, Heimat und Blasenbildung.

Ein Text über Expat-Ästhetik, Identitätspolitik und das leise Unbehagen, im eigenen Land plötzlich Übersetzungsarbeit leisten zu müssen.

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Selbstmord auf dem Jakobsweg

Hoch über einer flirrenden Ebene in Katalonien wird ein Zwischenstopp auf dem Jakobsweg zur existenziellen Momentaufnahme. Zwischen gotischer Kathedrale, urbaner Leerstelle und scharf geschnittenen Gegenwartsfragmenten mischen sich Geschichtsgewalt und sehr private Abgründe.

Was als Reisebeobachtung beginnt, kippt leise in Selbstbefragung: über die künstlerische Hybris, Alter, Ökonomie und die Frage, was ein Leben „wert“ ist.

Ein Text über Pilgerschaft ohne Erlösung – und über die dunklen Gedanken, die auftauchen, wenn große Räume plötzlich ganz still werden.

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Kebaptscheta am Rand der Welt

Zwischen Sommerhitze, Grillrauch und osteuropäischen Bahnsteigen entfaltet sich eine sehr persönliche Geografie des Geschmacks. Kebaptscheta werden zum kulinarischen Leitmotiv – für Risiko, Erinnerung und eine hartnäckige Liebe zu den Rändern.

Anekdoten aus Zugtoiletten, Jazzfestivals und Kulturkaufhäusern verdichten sich zu einer Reflexion über Peripherie, Macht und künstlerische Unschuld.

Ein Text über Magenverstimmungen und Metaphysik – und darüber, warum man als Künstler vielleicht besser am Rand bleibt als im Zentrum.

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Ufos über dem Rapsfeld

Zwischen Traktorspur und Trommeltechnik, Erntezeit und Ensembleprobe entsteht ein Erfahrungsraum, in dem Landarbeit und Kunstarbeit unerwartet aufeinanderprallen. Monotone Feldfurchen, Juryentscheidungen und platten Traktorreifen werden zu Metaphern für Beharrlichkeit, Hoffnung und das ständige Arbeiten am Rand des Erträglichen.

Der Text erkundet Parallelen zwischen bäuerlichem Überleben und künstlerischem Commitment – jenseits von Romantik, jenseits von Förderlyrik.

Eine Reflexion über Arbeit, Unschuld und Sisyphusstrategien in Zeiten permanenter Unsicherheit – mit einem Glas Schnaps in der Hand und dem Blick schon wieder aufs nächste Jahr gerichtet.

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Grumpy Avocado

Ein kleines Café in Weeksville, Brooklyn, wird zur Bühne für ein irritierendes Ritual zwischen Gast und Gastgeber. Zwischen Avocadotoast und verbaler Attacke entfaltet sich ein Spiel aus Respekt, Macht und nonkonformer Selbstbehauptung.

Was zunächst wie bloße Ruppigkeit wirkt, entpuppt sich als kalkulierte Performance – als Autorität durch Autorschaft.

Ein Text über Freiheit im eigenen Raum, über „Passion through Anger“ – und über die Frage, wann Grumpiness produktiv ist und wann sie ins Leere läuft.

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Kimchikapusta

Ein unscheinbares Dorf am Rand von Wrocław entpuppt sich als „Klein-Seoul“ – ein Ort, an dem Globalisierung nicht als Theorie, sondern als Geruch, Licht, Temperatur und Geschmack erfahrbar wird. Zwischen Autobahnauffahrt, Lagerhallen und einem überraschend präzisen koreanischen Gastraum entsteht ein Honeymoon-Moment, der Fragen nach Migration, Arbeit und Zugehörigkeit neu sortiert.

Aus einer kulinarischen Entdeckung wird eine Reflexion über Vertrauen, Begegnung und die eigensinnige Logik von Kultur: Aneignung, Durchmischung, Weiterleben.

Ein Text über das unverfügbare Unerwartete – und über die wachsende Kluft zwischen aktivistischen Erzählungen und der widerspenstigen Realität.

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SEILTÄNZER, HÜTCHENSPIELER
und VAMPIRE

Ein Philosoph fragt: Welchem Typ Künstler gehörst du an – Seiltänzer, Hütchenspieler oder Vampir?

Drei Episoden aus New York, Berlin und der sächsischen Provinz führen durch sehr unterschiedliche Milieus – von der Jazz-Subkultur der 90er über den identitätspolitischen Kunstbetrieb bis in eine Gegend, in der ganz andere Gewissheiten herrschen.

Dahinter steht eine grundsätzliche Frage: Hat der Künstler heute noch die Freiheit, sich unbekannten, auch unbequemen Wirklichkeiten auszusetzen – oder wird von ihm erwartet, als gut erzogenes Schoßhündchen der neuen kulturellen Mittelschicht deren Weltbild zu bestätigen?

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Falsche Delfine in Venedig

Ein Lockdown-Tagebucheintrag zwischen geweißelten Wänden und globalen Schreckensmeldungen: Alltag kippt in Ausnahmezustand, und jede Geste wirkt plötzlich aufgeladen — politisch, moralisch, existenziell.

Zwischen Telefonaten mit einsamen Patient*innen, radelnder Selbstisolation quer durch Berlin und dem digitalen Dauerrauschen einer „kreativen Klasse“ entsteht ein tastender Versuch, das Reale überhaupt auszuhalten.

Ein Text über Ratlosigkeit, Nähehunger, Scham über schnelle Slogans — und über den Wunsch nach einem Moratorium der Kunst, solange die Wirklichkeit selbst zu laut wird.

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Mondkind im Nachtzug

Eine nächtliche Zugfahrt durch das winterliche Rumänien der späten 1990er Jahre nimmt eine unerwartete Wendung. Zwischen Kohleofenwärme, Mondlicht und klappernden Waggons gerät eine beiläufige Bewegung in einen Moment existenzieller Entscheidung.

Was folgt, ist keine Heldengeschichte, sondern eine Begegnung mit Verantwortung, Zufall und der Fragilität des Anfangs.

Ein Text über das, was bleibt – Jahrzehnte später, im Blick auf das eigene Kind.

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Chefa de la Estación

Eine abendliche U-Bahnfahrt durch das schwül-heiße Labyrinth von Mexico City wird zu einer unerwartet intimen Begegnung. Zwischen Menschenmassen, Baustellenabsperrungen und Orientierungslosigkeit entsteht ein Moment radikaler Fürsorge.

Eine fremde Hand führt durch das Chaos – entschlossen, selbstverständlich, ohne Pathos.

Ein Text über urbane Überforderung, Vertrauen im Vorübergehen und die stille Kraft einer Geste, die mehr Halt gibt als jede Navigations-App.

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Besuch in Capalnas

Ein Palast von Otto Wagner, ein goldener Hirsch im Park und eine psychiatrische Klinik im südostrumänischen Hinterland. Zwischen Palliativzimmer und Gartenlaube ereignen sich kleine Verschiebungen: Eine alte Frau spricht plötzlich Deutsch, Kochtöpfe werden zu Trommeln, Patienten zu Choristen. Eine Begegnung über Würde, Musik und die offenen Ränder des klinischen Alltags.

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Ein böser Geist

Flaggen im Sturm. Ein leerstehendes Kulturzentrum. Nazis vor der Tür, Antifa im Rundschreiben, Reichsbürger und Rote Flora-Aktivisten mit selbstgemaltem Hakenkreuz-Bettlaken.

Was als künstlerischer Gruß zum 1. Mai gedacht ist, gerät zum grotesken Schauspiel über Vereinnahmung, Projektion und lokale Erregungsökonomie. Zwischen Biokräutertee und Stullen, Facebook-Schelte und ornamentierter Provokation stellt sich eine leise, unbequeme Frage: Wer instrumentalisiert hier eigentlich wen – und wer treibt am Ende wirklich sein Unwesen?

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Lob der Vereinzelung

(Ein Essay für den Blog der Montag Stiftung Kunst & Gesellschaft)

Keine veganen Cupcakes, kein Impact-Hub, kein Achtkanal-Klangklo.

Statt ästhetisch optimierter Gemeinschaftsbeglückung nur ein fast schon verdächtig schlichter Wunsch: ein Ort, an dem man einfach ankommt – ohne Antrag, ohne Output-Optimierung, ohne integratives Dauerlächeln.

Zwischen Bologna-Prozess, Förderhöchstaltersgrenze und evaluierungskonformer Weltrettung entfaltet sich ein leiser, aber hartnäckiger Zweifel: Was, wenn sozial engagierte Kunst längst selbst zur wohltemperierten Ersatzhandlung geworden ist? Und was passiert, wenn man beginnt, im Getriebe kryptisch zu operieren – anschlussfähig widersprechend?

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Morgenarbeit

(Essay der Musikwissenschaftlerin Hannah Schwegler über die 8-Kanal Arbeit "Morgenarbeit")

Steinerne Pferdeköpfe erinnern im Wiener MuseumsQuartier an eine Zeit, als hier 600 kaiserliche Pferde untergebracht waren.

Maurice de Martin holt sie zurück – akustisch. Drei Wochen begleitet er Lipizzaner und ihre Menschen zwischen Stall, Koppel und „Morgenarbeit“ der Spanischen Hofreitschule Wien, hört hin, zeichnet auf, montiert Stimmen, Hufschläge, Peitschenknallen zu einer 40 minütigen 8-Kanal-Komposition für die "Tonspurpassage"

Was als Klangporträt einer traditionsreichen Institution beginnt, wird zur Untersuchung von Protokoll, Disziplin und Sensibilität – und zu einer Frage nach dem „anschlussfähigen Widerspruch“ innerhalb eines hochkultivierten Systems, das auf Präzision gebaut ist und doch jederzeit auf der Kippe steht.

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The most balkanized German 

(Interview with Nicolae Coande for "Revista Cultura Romana") 

A “cameleon” moving between drums, philosophy, social art practice and institutional critique, Maurice de Martin reflects on Romania as a formative spiritual landscape, on Africa as a space of “un-answered questions,” and on the fragile gestures that can still make a difference within today’s “foam worlds.”

From UN corridors to Berlin’s homeless kitchens, from power and authority to transdisciplinarity and the right to “become someone else,” this conversation traces an artist who resists fixed identity and insists that art must remain fragile, touchable — and risky.

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Expeditionen ins Ungewisse

(Essay für die "Dissonance")

Anstatt Musik als rein ästhetisches Objekt zu betrachten, entwirft Maurice de Martin eine alternative Form der musikalischen Forschung, die aus der künstlerischen Praxis selbst entsteht. Zwischen sozialer Kontroverse, transdisziplinärer Vernetzung und einem intensiven Austausch mit Menschen außerhalb akademischer Zirkeln lotet er aus, wie Musik als Erkenntnis- und Forschungsraum funktionieren kann – als Einladung, die Grenzen zwischen Kunst, Wissenschaft, Politik und Alltag neu zu denken. Dabei wird Musik nicht nur gehört, sondern als lebendiger Dialog verstanden: zwischen Klang, Wissen und gesellschaftlicher Realität.

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Erkenntnis als Improvisation

(Im Interview mit dem Philosophen Wilhelm Berger)

„Mich interessiert es als Improvisateur, damit zu experimentieren, wie Improvisation im “Logischen” möglich ist. Vielleicht ist es genau das, was hier im Moment stattfindet; dass ich versuche, mit den Komplexen von Wissen, Erfahrung und Instinkten zu improvisieren.“

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