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Lehrpraxis

Zeitbasierte Künste als Modell für transdisziplinäres Lernen

Maurice de Martins Lehrpraxis entwickelt sich aus einem breiten Spektrum zeitbasierter künstlerischer Praktiken – insbesondere aus Musik, Performance und kollektiven Arbeitsformen der Prozesskunst.

Seit 2010 ist de Martin Dozent am "Y-Institut für Transdisziplinarität" der Hochschule der Künste Bern. Dort unterrichtet er auch in den Fachbereichen Theater und Forschung. Außerdem unterrichtete er als Gastdozent seit 2010 an zahlreichen Kunsthochschulen, Universitäten und anderen Bildungsinstitutionen im In- und Ausland, u. a. an der Folkwang Universität der Künste, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft Alfter bei Bonn, Masaryk-Universität Brno, Musikuniversität Bukarest, Universität Nantes, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle, Brockwood Park School im südenglischen Hampshire und aktuell der Medizinischen Hochschule Brandenburg "Theodor Fontane" (seit 2018).

Kerninteresse seiner Forschungsarbeit in der Lehre ist die Frage, wie die entwickelten Formen des Umgangs mit Zeit, Aufmerksamkeit, Rhythmus, Vielschichtigkeit und Präsenz nicht nur innerhalb der zeitbasierten Künste wirksam sind, sondern sich transdisziplinär auf andere Disziplinen ebenso wie auf Bereiche außerhalb der Kunst übertragen lassen. Seine Lehrformate verstehen Zeit daher nicht als organisatorischen Rahmen, sondern als gestaltbares Medium von Erkenntnis, Erfahrung und Handlung.

Über viele Jahre entwickelte de Martin hierfür ein Spektrum inter- und transdisziplinärer Lehrformate,  in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule der Künste Bern sowie der Medizinischen Hochschule Brandenburg „Theodor Fontane“. Studierende aus Medizin, Psychologie, Therapie wie auch praktisch allen künstlerischen Disziplinen arbeiten hier an Fragen kollektiver und individueller Aufmerksamkeit, Autorschaft und  Prozessgestaltung, Timing und Sequenzierung komplexer Handlungsabläufe. Lernen wird dabei als erfahrungsbasierter, interaktiver Vorgang verstanden, in dem gemeinsame, wie auch individuelle  Praxis und Reflexion ineinandergreifen.

Aus der Verdichtung dieser Erfahrungen entstand CHRONARTA. Die Initiative bündelt künstlerische Praxis, Forschung und Lehre zu einer offenen Praxis der Arbeit mit Zeit. Ihre Expertise liegt in der präzisen Setzung und Gestaltung von Zeiträumen, in denen neue Formen von Wahrnehmung, Zusammenarbeit und Handlung entstehen können.

Beispiele 

Seminare & Workshops

3-tägiges Seminar
Studium Fundamentale
Medizinische Hochschule Brandenburg 
2023-2026 jeweils 1x FS/WS

Im Hinduismus gilt: alles Lebendige pulsiert. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Herzschlag, er verändert sich ständig, reagierend auf innere und äußere Faktoren. Diese Veränderungen wiederum beeinflussen unser Befinden und unser Spannungsverhältnis zu dem, was uns umgibt.

Um Herstellung besonderer Spannungsverhältnisse geht es auch beim Rhythmus in der Musik. Über ihn lassen wir uns in besondere physische und emotionale Zustände versetzen. Wir (er)kennen das, wenn wir ein Musikstück hören, dessen „Groove“ uns aus Gründen „mitreißt“, die wir zumeist logisch gar nicht erfassen können und auch wollen. Gänsehaut, Bewegungsdrang, es hat etwas Magisches. „Der Rhythmus, bei dem man mit muss“ ist ein besonders intensiv gespielter Groove, der auf einer besonderen Pulsgeschwindigkeit abläuft. Intensität kommt dabei durch Wiederholung und ein besonderes „Timing“. Wenn wir uns davon nicht nur emotional wegtragen lassen, sondern zugleich auch analytisch ansetzen, erkennen wir: Rhythmus ist Mathematik und zugleich filigrane Sequenzierung komplexer Zeitabläufe, wie wir ihnen auch auf ganz anderen Feldern- ganz besonders auch in medizinischen Teamwork-Kontexten- täglich begegnen.

Was bedeutet es also wirklich „am Puls der Zeit“ zu sein? Oder vor dem Puls, oder danach? Es geht also um das Phänomen der Zeit, wie wir sie (er)leben und was wir mit ihr machen: individuell und auch gemeinsam!

Dieses Seminar möchte genau hier ansetzen: über ein intensives Praxis-Wochenende bekommen Studierende unter Anleitung eines Rhythmus-Experten, Meister-Perkussionisten und Musikhochschuldozenten die Möglichkeit, in die Magie des Rhythmus’ mit all seinen Facetten praktisch einzutauchen und darüber auch theoretisch zu reflektieren.

Der Kurs ist auch geeignet für Menschen, die eigentlich sicher sind, dass sie nicht oder nur wenig musikalisch sind! 

3-tägiges Seminar
Studium Fundamentale
Medizinische Hochschule Brandenburg
2019-2023 jeweils 1x FS/WS

Am Anfang war das Spiel, sagt der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga.

Und entwirft in seinem Klassiker Homo Ludens (der Mensch als Spielender) eine durchaus augenzwinkerndes Gegenmodell zur anthropologischen Idee des Homo Faber (der Mensch als Herstellender). Homo Ludens „spielt“ kontinuierlich und wird dabei begleitet von einem Gefühl der Spannung und ernsthaften Freude und Bewusstsein eines temporären Aus dem Alltag Austretens.

Das Spiel(en) hat Regeln, denen sich die Spieler freiwillig unterwerfen. Ambitionierte wissen diese Regeln auszureizen. Betrüger manipulieren sie, was beim „Auffliegen“ Empörung und zumeist Ausschluss des Betrügers aus dem Spiel nach sich zieht. Die Spieler bilden im Spiel eine ad hoc-Gemeinschaft, die aus der anonymen Vielheit heraustritt und in einem von der Wirklichkeit abgegrenzten Raum mit großem Ernst ihr eigenes „Ding“ macht, darüber (wenn es gut läuft) zu einer Art eigener Organismus wird.

Dieses Seminar möchte genau hier ansetzen:
Anhand einer Auswahl gemeinsam realisierter Spielsituationen, die auf besondere Art(en) der Organisation der gemeinsamen Handlung im Raum basieren, möchte es Situationen initiieren, die es erlauben, Gruppendynamik(en) und individuelles Handeln auf ungewöhnliche Manier zu erkunden und erfahren. Und dabei über sich selbst hinauszuwachsen.

Situationen und Prinzipien des Miteinanders, die auch im Alltag ärztlichen Handelns eine Rolle spielen können, zeigen sich hier einmal von einer ganz anderen Seite.

Dabei wird nach allen Regeln der Kunst experimentiert werden: von der Musik über das Theater bis zur Kunst-Performance werden wir in wechselnden Konstellationen unterschiedliche Modelle ausprobieren, analysieren, diskutieren und dabei viel Neues erfahren, wie auch Bekanntes neu entdecken!

2 tägiger Workshop 
MHB-Summer School zum Thema "Das Ende des Lebens als Teil des Lebens" August 2023

In einer abgelegenen Gegend Rumäniens liegt das Dorf Săpânţa. Dort findet man den „Cimitirul Vesel“, den „fröhlichen Friedhof“. Die Dorfgemeinschaft hatte sich vor ca. 40 Jahren für einen ungewöhnlichen Modus des Totengedenkens entschieden: man erlaubte einem lokalen Bildhauer, für die Gräber aller neu verstorbenen Gemeindemitglieder hölzerne Kreuze zu schnitzen, auf denen in bunten Motiven, filigranen Ornamenten und textlich in folkloristischer Versform auf dezidiert lustiger, mitunter aber auch deftig-ironischer Manier die Geschichte der Verstorbenen beschrieben sind.

Dieser Ort ist in Europa einmalig, er repräsentiert aber eine sich in den unterschiedlichsten Kulturen manifestierende Praxis des Totengedenkens unter Einbezug eines ganz besonderen Humors, der irgendwo zwischen hintergründiger Fröhlichkeit und liebevoller Melancholie zu verorten ist. Hier stellt sich natürlich die Frage, welche Resonanzen diese besondere Trauerpraxis bei den Hinterbliebenen und auch bei uns aus der Ferne Beobachtende erzeugt?

Um das herauszufinden, werden wir am ersten Tag des Workshops eine remote Erforschung besagten Friedhofs unternehmen. Anschließend werden wir exemplarisch auf weitere ungewöhnliche Praktiken des Totengedenkens in unterschiedlichen Kulturen eingehen und darüber diskutieren.

Am zweiten Tag wird es zu einer praktischen künstlerischen Arbeit mit einem kollektiven Kunstwerk als Resultat kommen: wir nähern uns dem Modell „Fröhlicher Friedhof“ an, indem wir selbst unser eigenes Exempel eines derartig gestalteten Gedenktortes für Neuruppin entwerfen und ihn für einen Tag an einem ausgewählten Platz in unmittelbarer Umgebung zur Summer School installieren!

Der Workshop wendet sich an alle, die sich für die besondere Verbindung eines sensibilisierten Bewusstseins für verantwortungsvoll-pietätvolles Gedenken mit der Möglichkeit eines reflektierten und zugleich fantasie- und humorvollen künstlerischen Dichtens und Werkens interessieren.

1 tägiger Workshop
MHB-Summer School zum Thema "Der Anfang des Lebens"
August 2025

Eine "Willkommensmusik" für Wöchnerinnen und ihre Neugeborenen

In diesem Workshop lernen die Teilnehmenden, wie mithilfe von KI-gestützten Tools Musik und Songtexte erstellt werden können, die für die Zeit kurz nach einer Geburt eine Rolle spielen können – ganz ohne musikalische Vorkenntnisse.

Dabei wird in Kleingruppen experimentiert werden, wie sich für Mutter und Kind ein individualisiertes "Willkommenslied" produzieren lässt. Hierfür werden wir uns mit von uns während des Workshops „imaginierten“ Personen und Situationen im Kontext einer Geburt beschäftigen und darüber das jeweilige „Material“ für die jeweilige Komposition generieren und letztlich alles über KI zu einer Sammlung von „Geburtsliedern“ zusammenführen. Nach der Produktionsphase werden die Werke gegenseitig vorgespielt und diskutiert werden.

Der Workshop verbindet künstlerische, medizinische und psychologische Praxis im hochsensiblen Feld einer Geburt. Die Musik dient dabei nicht nur als liebevolles Präsent, sondern auch als Möglichkeit der emotionalen Reflexion, ja Verarbeitung eines sehr intensiven Lebensmoments – für alle Beteiligten.

Teilnahmevoraussetzung: gut laufender Laptop mit aktualisierten Browsern & Kopfhörer, die zum Workshop mitgebracht werden, Erfahrung im Umgang mit KI-Programmen schadet nicht!

Alternative Spielhaltungen in Performance und Improvisation
Y-Institut der Hochschule der Künste Bern
5 tägiger Workshop
5x 2011-16 

«Art is a crucial, dangerous operation we perform on ourselves. Unless we take a chance, we die in art» Morton Feldman

Diese Toolbox möchte anhand eines Kaleidoskops von Werkpraktiken jenseits des "Mainstreams" zeigen, wie sich zu einer stilunabhängigen Spielhaltung finden lässt – durch ein individualisiertes Handwerk im Verbund mit einer strengen Verspieltheit des Denkens und reflektierten Risikobereitschaft des Handelns.

Es werden prominente wie auch weniger bekannte Beispiele aus der Outsider Art, den Grenzbereichen der Improvisationskunst, der Underground-Folklore, Fluxus-Art, Trash-Performance, aber auch Konzepte des experimentellen Jazz, Rock und Pop bis hin zur Noise-Art ausgeleuchtet und in der Gruppe direkt in greif- und hörbare Ergebnisse umgesetzt.

Die Kursteilnehmenden erhalten so eine Palette an «Tools» mit auf den Weg, die ihnen Möglichkeiten eines alternativen Umgangs mit den eigenen Fähigkeiten im freien Changieren zwischen den Disziplinen aufzeigen soll.
Leitung: Maurice de Martin
(Komponist und Performer, Berlin)
Termin: Mo.–Fr. 12.–16.11.2012,
09.30–16.30
Ort: tba

Angesprochen sind ausdrücklich nicht nur MusikerInnen, sondern auch Interessierte aus allen anderen Disziplinen.

Y-Institut der Hochschule der Künste Bern
5 tägiger Workshop
FS 2013
    
Der Kurs stellt die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Alltag – und möchte die Möglichkeiten eines bewussten Aufeinandertreffens dieser beiden «Realitäten» erforschen. Im Zentrum unserer Arbeit wird eine künstlerische Recherchearbeit im öffentlichen Raum im Zeichen der Begegnung von Eigenem und Fremdem stehen.

Dafür werden wir fünf Tage lang in den gefühlten Alltagsraum unserer Realumgebung eindringen und nach den verborgenen Eigenarten gewisser Orte, Lebewesen und Objekte suchen. Über den Umgang mit Techniken der künstlerischen Beobachtung, Interpretation und Intervention werden wir so gemeinschaftlich erfahren, wie wir die «Wirklichkeit» als Inspirationsquelle für unsere künstlerische Arbeit nutzen können.

Leitung: Maurice de Martin
(Komponist und Performer, Berlin)
Termine: Mo.–Fr. 15.–19.4.2013
9.30–16.30
Ort: Zikadenweg 35

Der Kurs richtet sich an alle HKB-Disziplinen. Einzige Voraussetzungen sind Dialogfreude, Neugier und Aufgeschlossenheit gegenüber Unerwartetem. Ausserdem wäre der Besitz festen Schuhwerks von Vorteil.

Y-Institut der Hochschule der Künste Bern
Y-Semesterprojekt 2011
Projektleitung: Maurice de Martin, Dr. Corinne Rose
Geplantes Inputreferat: Anton Burdakov (Künstler, Neurowissenschaftler)

«Nicht die Dinge selbst beunruhigen den Menschen, sondern seine Vorstellungen über sie.» (Epiktet)

Unser Little Shop of Horrors zielt auf die Erschaffung eines Labor-Raums, in dem wir die spezifischen Formen der Angst sowie unsere Haltungen zu ihr erforschen wollen – und diese als hervorragendes Assoziationsfeld für künstlerisches Schaffen zwischen Humor und Ernst erproben können.

Ausgehend von einer theoretisch fundierten Auseinandersetzung mit der Thematik soll sich – einem temporären Angst-Delikatessen-Shop gleich – über das Semester hinweg ein Raum mit den vielfältigsten Reflexionen, Objekten, Musikstücken, Performances, Mikro-Theaterstücken, MashUp-Collagen, Installationen, Texten und Found-Footage-Videos füllen. Alles, was die Inspiration erzeugt, ist erlaubt, freies Denken und Arbeiten sind dabei gefordert.

Ziel ist es, eine Atmosphäre zu schaffen, in der das Thema Angst in einen offenen kreativen Prozess mündet und sich in der spezifischen Form von kollektivem künstlerischem Ausdruck manifestiert.

Angesprochen sind interessierte Studierende aller Fachbereiche – je heterogener die Gruppe, desto spannender die Arbeit.

LERNZIELE → Kenntnisse der eigenen (Angst-)Grenzen und Erweitern derselben im Kontext künstlerischer Prozesse.

Alanus Hochschule Kunst und Gesellschaft
Studium Generale
2 Tage Workshop
FS 2015
Leitung: Maurice de Martin

„Kunst ist eine dialektische Komödie, anhand derer die Differenz zwischen Realität und Fiktion verhandelt wird.“ A. Danto

Der Kunstphilosoph Arthur Danto beschreibt in seinem heute als Klassiker geltenden Werk „The Transfiguration of the Common Place“, wie zeitgenössische KünstlerInnen es schaffen, Entitäten des Alltäglichen über minimalistische Eingriffe in etwas völlig Unerwartetes zu transformieren. Dies repräsentiere eine Grundbedingung menschlicher Existenz: Umdeutung als Symbol für die Möglichkeit des Individuums, sein Leben und Umfeld frei zu gestalten. Marcel Duchamps Pissoir ist hier nur das berühmteste Beispiel einer Kultur des „Reality Hackings“, die dem ästhetischen, theoretischen, aber auch technisch-handwerklichen Diskurs immer wieder vor neue Herausforderungen stellt. Heute reicht diese Experimentalpraxis bis in die Transformation von Lebendigem und Situativen hinein: z.B. mit Leuchtalgen Musik komponieren, mit den Stoffen des eigenen Körpers arbeiten, oder als Kunstprojekt die Volksabstimmung „manipulieren“, wobei natürlich auch die Frage nach den Grenzen der Kunst gestellt wird.

Der Berliner Künstler, Forscher und Dozent Maurice de Martin hat ein Unterrichtsmodul konzipiert, das es Studierenden ermöglichen soll, in die Welt des „Realty Hackings“ einzutauchen, dabei in einer Werkstatt-Situation praktisch zu experimentieren und zugleich über eine „Roundtable“-Situation theoretisch zu reflektieren. Flankiert wird diese Veranstaltung von exemplarischen Inputs des Seminarleiters über Prozesskunst, Laborkunst, Tarnkunst, Interventionskunst...

Y-Institut der Hochschule der Künste Bern
5 tägiger Workshop
FS 2019
Kursleitung: Maurice de Martin – Musiker, Komponist, Prozesskünstler aus Berlin,
& Susanne Sachsse – Schauspielerin, Sängerin und Regisseurin aus Berlin

Fuck the Facts - John Zorn/Naked City

Die Lüge ist eine willensgelenkte Umdeutung der Wirklichkeit. Wirklich gut ist sie nur, wenn sie überzeugender als die Realität ist, nur dann hält man sie für wahr. Davon ausgehend, dass in der Kunst als potenzieller Gegenwelt zur Realität per se alles fake sein muss, könnte man das kluge Bluffen zur künstlerischen Tugend erheben und eine „Praxis des produktiven Lügens“ konstituieren.

Als Modell einer solchen Praxis haben zwei mit der (Um)Deutung von Realitäten erfahrene Künstler*innen diese Toolbox konzipiert. Ausgehend von einschlägigen Beispielen aus den unterschiedlichsten Disziplinen und Praktiken (z.B. Hörspiel: Orson Welles „Krieg der Welten“, Appropriation Art: Sherrie Levine, imaginäre Biographie: Carol Duncan & Clifford Irwing, Bilderfälschung: Wolfgang Beltracchi, musikalische Parodie: P.D.Q. Bach, Media-Hoax: The Yes Man) und angereichert mit zahlreichen Erfahrungen aus der eigenen Praxis werden die Kursteilnehmer*innen die Möglichkeit erhalten, sich mit der Produktivität, aber auch Problematik künstlerischen Lügens & Betrügens auseinanderzusetzen. Selbstverständlich, dass dabei auch die Prinzipien der Authentizität und Autorschaft auf den Prüfstand kommen und die Frage gestellt wird, welchen speziellen Wert der künstlerische Schein in einer Welt der Fake News, Alternative Facts & medialen Spin-Doctors (noch) hat.

Komplementär zum theoretischen Diskurs wird es natürlich um das praktische Experiment gehen. Ihr werdet dazu aufgefordert, über die Toolboxwoche hinweg in kleinen Gruppen (oder auch alleine) eine originäres Fake zu erschaffen, zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Der Kurs ist offen für alle Disziplinen.

Alanus Hochschule Kunst und Gesellschaft
Studium Generale
2 Tage Workshop
WS 2016
Leitung: Maurice de Martin

Ist künstlerische Forschung ein neuzeitliches Konstrukt, oder die auf einer langen Tradition basierende Erkenntnispraxis, die von neugierigen Individuen getragen wird, die immer wieder riskante Spagate zwischen den unterschiedlichsten Disziplinen wagen?

In diesem Seminar werden die Teilnehmer*innen die Möglichkeit erhalten, mit einem professionellen künstlerischen Forscher zu arbeiten und dabei ein Experiment durchzuführen, das die Vereinten Nationen in den Fokus nimmt.

Ausgehend von Materialien, die der Dozent als residierender Künstler der UN im Rahmen des Forschungsprojekts UN.KNOWN SPACES zusammengetragen hat, werden wir uns den komplexen Realitäten dieser Weltgemeinschaft aus 193 Staaten annähern und uns dabei Fragen nach einem potenziellen Zusammenwirken von Kunst, Wissenschaft und Politik stellen.

Über die kunstforscherischen Methoden der ästhetischen Beobachtung, künstlerischer Interrogation, emphatischen Neugier und performativen Irritation werden wir uns Einblicke in den aktuellen Status des "Verhandelns des Weltfriedens" verschaffen und uns dabei fragen, wie das Spannungsfeld zwischen Idee und Realität auf das uns alle betreffende Verhältnis zwischen individuellen und gesamtgesellschaftlichen Interessen rück wirkt.

Y-Institut der Hochschule der Künste Bern
5 tägiger Workshop
FS 2021
Leitung: Maurice de Martin (COVID-Remote-Workshop)

"...zutiefst verletzend und diskriminierend ist das menschliche Vorurteil, Vampire würden des Tages Licht scheuen!" – Graf Dracula

Sigmund Freud beschreibt "Das Unheimliche" als die Erfahrung eines Fremden im Eigenen, das besonders irritierend wirkt, wenn es völlig unerwartet und mitten am helllichten Tage aus dem Schatten tritt.

Diese vom Berliner Künstler Maurice de Martin speziell zum Y-Jahresthema konzipierte Toolbox macht den Tag zur Nacht und begibt sich über einen mehrtägigen Streifzug durch die Stadt Bern, immer auf der Suche nach den verborgenen Aspekten im Schatten des Hauptstadtidylls. Oder ist vielleicht gerade das Idyll selbst das wahrlich Unheimliche?

In Format einer kollektiven Gruppenarbeit werden wir über besondere Begebenheiten recherchieren, bestimmte Orte aufsuchen, mit gewissen Menschen über ungewöhnliche Situationen sprechen und flankiert durch Inputs vom Kursleiter ein Werk generieren, das wir zum Finale des Kurses in den öffentlichen Raum bringen.

Das Projekt richtet sich an alle HKB-Disziplinen. Voraussetzungen zur Teilnahme sind Dialogfreude, Neugier und Aufgeschlossenheit gegenüber Unbequemem und evtl. der Besitz festen Schuhwerks & Regenkleidung.


Forschungstoolbox: orschendes Fragen in der Musik und Musikpädagogik
Y-Institut der Hochschule der Künste Bern
5 tägiger Master-Workshop
Semesterveranstaltung 2017-2023
Leitung: Stephan Zirwes, Maurice de Martin und Andreas Cincera
    
Das Finden von relevanten Themen, die Recherche, die Entwicklung von Fragestellungen, das Feld der Methoden und des Forschungsdesigns werden sowohl theoretisch als auch interaktiv angegangen.

Der Musiker, Komponist und Klangkünstler Maurice de Martin wird unterschiedliche Felder musikalischen Erforschens in den Mittelpunkt einer Reihe transdisziplinärer Situationen stellen. Hier trifft praktisches Experimentieren auf Theorie, individuelles Reflektieren auf Analysieren und Debattieren in der Gruppe. Es werden für die eigene Arbeit relevante Fragestellungen entwickelt und das Artikulieren forschender Projektskizzen im Team erprobt.

Der Kontrabassist, Vermittler und Forscher Andreas Cincera nähert sich in interaktiven Inputs von verschiedenen Seiten der Frage an, inwieweit die komplexe Wirklichkeit des Musiklernens und -lehrens mit Reflexion und Wirkungsforschung erschlossen und ansatzweise erklärt werden kann und welche Bedeutung intuitivem Handeln zukommt.

Die Teilnehmenden werden durch die Moderation des Musiktheoretikers und HKB-Dozenten Stephan Zirwes angeregt, eigene forschende Fragestellungen zu entwickeln, mögliche Projekte und Herangehensweisen für deren Beantwortung zu entwerfen und diese im Austausch mit der Gruppe auf ihr Potenzial hin zu überprüfen. Die Toolbox bietet explizit die Möglichkeit, die Konzepte der anstehenden MA-Abschlussarbeiten gemeinsam zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Methodik

Methodisch beginnen die Arbeitsprozesse eines Unterrichtsprojekts von MdM meist mit einer offenen Situation am "runden Tisch" und einer klaren, zumeist jedoch ungewöhnlichen, bisweilen auch leicht irritierenden Setzung durch den Dozenten. In Anlehnung an Vilém Flussers „Kommunikologie“ und seinen Roundtable-Diskurs wird zunächst alles auf den Tisch gelegt: Fragen, Interessen, Materialien und Perspektiven der Beteiligten – ohne vorgegebene Hierarchie.

Im experimentellen Gespräch werden diese Elemente immer wieder neu miteinander verbunden, bis sich das nächste Stadium einer "Diskursintensivierung" ergibt. Dieses entspricht dem, was Peter Brook in der Theaterprobe als "formless hunch" beschreibt: eine Vorahnung, die sich im gemeinsamen Arbeiten zunehmend verdichtet und dadurch die Spannung des Prozesses aufrechterhält. Schritt für Schritt konkretisieren sich Fragestellungen und Herangehensweisen als kollektive Leistung der Gruppe.

Die Rolle der Leitung orientiert sich dabei an den Prinzipien, die Jacques Rancière in seinem Buch "Der unwissende Lehrmeister – Fünf Lektionen in intellektueller Emanzipation" anhand der Lehrpraxis des französischen Pädagogen Joseph Jacotot beschreibt.

Ausgangspunkt ist die Annahme der Gleichwertigkeit der per se immer unterschiedlichen Intelligenzen: Lernen entsteht nicht primär durch auktoriale Erklärung aus der Distanz, sondern durch Aufmerksamkeit, Übersetzung, Wiederholung und eigene Setzungen der Lernenden. Der „unwissende Lehrmeister“ erklärt nicht, sondern strukturiert den Prozess, intensiviert oder verlangsamt ihn bei Bedarf, stellt Aufgaben, setzt neue Impulse und hält die Aufmerksamkeit wach – im Vertrauen darauf, dass die Beteiligten Zusammenhänge selbst erschließen können. In diesem Sinne versteht sich auch die Moderation dieser Arbeitsprozesse: nicht als Wissensvermittlung, sondern als präzise Setzung eines gemeinsamen Erfahrungs- und Erkenntnisraums.

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Musikschule in Seoul/Südkorea

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